Experiential Research · Media History

Schattentanz / Tanzschatten – Eine Bilderserie zum Zeichnen mit Licht

SchattentanzShadowfee

Diese Serie hat der Zufall begonnen: beim Tanzen schien die Abendsonne durchs Fenster und   warf den tanzenden Schatten – meinen Schatten im Tanz – an die weiße Wand, überdimensioniert, aber doch klar erkennbar. Ich nahm meine Kamera zur Hand, um dieses unmittelbar „von der Natur gepinselte“ Schattenbild aufzunehmen. Die Herausforderung lag nicht darin, der Tanzbewegung für den Moment der Aufnahme Einhalt zu gebieten, sondern den Schattenwurf der Kamera, die ich ja selbst hielt, im Bild zu unterdrücken. Es gelang, aber die Körperbewegungen richteten sich fortan nach ihrer Schattenwirkung. Eine ganze Serie ist daraus entstanden – Schattentanz/Tanzschatten-Bilder -;  das hier wiedergegebene (einmal horizontal gespiegelte) Bild ist nur ein Baustein.

Den Schatten als Bild zu erkennen – und mannigfaltig medial aufzuzeichnen – , zieht sich durch die Geschichte von Kunst und Medien. Zwei Referenzen drangen sich mir im Kontext dieses Momentes des Bilder-Aufnehmens auf, in denen einmal der Schatten auf Bühnenboden und See fällt und in einer Lithographie festgehalten wird, und einmal auf ein Blatt Papier von Künstlerhand gezeichnet und von der Sonne / Photo-Chemie fixiert ist: Die unten  abgebildete Lithographie zeigt Fanny Elssler im „Shadow Dance“/ „Schattentanz“ aus dem Ballett La Sylphide, angefertigt 1846 durch Sarony & Major. (Napoleon Sarony (1821-1896) begann knapp zehn Jahre später seine Arbeit als Photograph). Die Lithographen beleuchten den Moment, in dem das (fingierte) Mondlicht Sylphides /Elsslers Tanz als Schatten auf der Oberfläche eines Sees abzeichnet.

Fanny Elssler Shadow Dance La Sylphide

In zeitlicher Nähe zu dieser Lithographie, nämlich 1844, veröffentlicht William Henry Fox Talbot (1800-1877) sein Buch The Pencil of Nature. Darin beschreibt er zu Beginn, wie er mit Hilfe einer Camera Obscura die Umrisse von Objekten aufzuzeichnen vermochte. „This method was, to take a Camera Obscura, and to throw the image of the objects on a piece of transparent tracing paper laid on a pane of glass in the focus of the instrument. On this paper the objects are distinctly seen, and can be traced on it with a pencil with some degree of accuracy, though not without much time and trouble. […] And this led me to reflect on the inimitable beauty of the pictures of nature’s painting which the glass lens of the Camera throws upon the paper in its focus—fairy pictures, creations of a moment, and destined as rapidly to fade away. It was during these thoughts that the idea occurred to me…how charming it would be if it were possible to cause these natural images to imprint themselves durably, and remain fixed upon the paper!“(http://www.gutenberg.org/files/33447/33447-pdf.pdf) Das gelingt Talbot schließlich auch: er platziert verschiedene Objekte auf mit Kochsalz und Silbernitrat präpariertes und dadurch lichtempfindlich gewordenes Papier und lässt die Sonnen wirken: die belichteten Stellen färben sich dunkel, die durch die Objekte belegten Stellen bleiben hell, die Umrisse der Objekte „zeichnen sich ab“. „Sciagraphs“ nennt er diese Bilder:„Schattenzeichnungen“!

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