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Online Journal of Global Theatre History – Latest Issue Focuses on Brazil, Japan, and The Levant

 

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Brazil, Japan, Syria: The latest issue of the Journal of Global Theatre History takes its readers to different corners of the world, their theatre cultures and transnational exchanges about eras and genres. The chapters explore central facets of global theatre history and theatre in a global context: the influence of Western aesthetics and aspects of “modernization” and their local adaptation in Japan at the beginning of the 20th century; the transfer and critical negotiation of theatre and theatre education in various post-war Levant cities; and the neoliberal tendencies and interweaving of theatre aesthetics and global economy in cultural sponsorship of Brazilian theatre in the recent past.

The Journal of Global Theatre History is an open access publication edited by Nic Leonhardt and Christopher Balme, Centre for Global Theatre Histories at Ludwig Maximilians University Munich.

Contributors to the latest issue: Ayumi Fujioka, Ziad Adwan, Gustavo Guenzburger.

 

 

Ausstellung · bildende Kunst · Bildtheorie · Global Arts · Nuggets · visual arts · Visual Culture · Vortrag, Public Talk

Vernissage Petra Levis @CAS LMU, 30. April

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Das Center for Advanced Studies (CAS) der LMU München zeigt im Sommersemester 2019
Arbeiten der deutsch-amerikanischen Künstlerin

PETRA LEVIS

Dauer der Ausstellung: 30. April bis 31. Juli 2019
Vernissage: Dienstag, 30. April 2019, 19 Uhr
Einführung: PD Dr. Nic Leonhardt (Theaterwissenschaft, LMU)
Ort: Center for Advanced Studies, Seestraße 13, 80802 München

Das CAS bittet um Anmeldung via e-mail info@cas.lmu.de oder telefonisch 089-2180 72080

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Ausstellung · bildende Kunst · Literatur, Lyrik · visual arts · Visual Culture

Maravil – català

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Coderch & Malavia, The Flight of the Swan

Im Januar schrieb ich den Text  Maravil, angeregt durch die wunderbaren Plastiken der katalanischen Bildhauer Coderch und Malavia, die ich in der Galerie Benjamin Eck in München entdeckt  hatte.

Der Text ist nun, als Reverenz vor Coderch und Malavia, ins Katalanische übersetzt.

Ich danke von Herzen Daniela Schulz für die zeitnahe und schöne Übersetzung.

Erinnerung · Literatur, Lyrik · Wissenschaftsalltag · Work-Life Balance

Die Zeit und ihre Flügel – “Meine Seele hat es eilig”

 

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Kettenkarussell im Wiener Prater. Flieh- und Ziehkraft. Foto: Nic Leonhardt

Der unerwartete Tod meines Vaters zum Ende des vergangenen Jahres hält noch immer meine Gedanken in einem Karussell-Modus. Einer ambivalenten Dynamik unterliegen sie – wandelnd zwischen einem zentripetalen Innehalten einerseits – und einem konstruktiven, zentrifugalen Umgang mit dieser Zäsur andererseits. Man nennt das wohl die Zeit der Trauer. Es ist eine schwere, es ist eine gute, es ist eine wichtige Zeit.

Hat mich schon lange vorher immer wieder die Frage nach der Zeit und ihren Qualitäten beschäftigt (etwa in Von Zeitkuchen, Irre Stunde, Gestern Erst, Deep Work etc.), tut sie das seitdem umso mehr. Nicht ein Tag vergeht, an dem ich nicht über die Frage nachdenke, wie die Zeit zu nutzen sei, wie Er sie genutzt hat, wie Er sie (auch noch gerne) genutzt hätte, wie ich sie gerne leben möchte, in welchem Rahmen mir dies möglich gemacht wird –, und ich es mir selbst ermögliche. Diese Dinge. – Die Gedanken dürften nicht nur meine sein.

Vor ein paar Tagen flatterte die neueste Ausgabe des Magazins Forschung & Lehre in mein Haus; ich blätterte sie auf und fand den wunderbaren Text Meine Seele hat es eilig dort abgedruckt. Er wird  häufig dem brasilianischen Schriftsteller Mario de Andrade (1893–1945) zugeschrieben, stammt aber wohl eher von Ricardo Gondim (geb. 1954) und trägt im portugiesischen Original den Titel  Tempo que foge (=”Die Zeit, die flieht”) . Nicht nur passt der Text sehr gut zu dem geschilderten akuten Mäandern meiner Gedanken; er scheint mir auch im Hinblick auf die Academia ein sehr wichtiger Anstoß, um einmal innezuhalten in diesem gegenwärtig vorherrschenden Geflecht von managerialen Aufgaben, Antragstellungen und nicht enden wollender (digitaler) Kommunikation, die uns so oft von dem abhält, für das wir doch eigentlich brennen: Fragen und Forschen, Vermitteln und Lehren; den Dingen auf den Grund gehen; unsere (Be-)Funde und Zweifel mit Kolleginnen, Studierenden und Freunden diskutieren; Wissen hinterfragen, neues Wissen schaffen – und, völlig unabhängig vom akademischen Rahmen, mit Menschen und für Menschen da zu sein, die uns wichtig sind, von denen wir lernen können. In einem freien Raum von Zeit.

Meine Seele hat es eilig fügt sich frappierend in die Gegenwart ein – und gerade durch ihre Schlichtheit helfen die Zeilen, die mäandernden Gedanken in ein Flussbett zu lotsen, sie auf gesundem Fahrwasser zu navigieren. 

Meine Seele hat es eilig 

“Ich habe meine Jahre gezählt und festgestellt, dass ich weniger Zeit habe, zu leben, als ich bisher gelebt habe. Ich fühle mich wie dieses Kind, das eine Schachtel Bonbons gewonnen hat: die ersten essen sie mit Vergnügen, aber als es merkt, dass nur noch wenige übrig waren, begann es, sie wirklich zu genießen.

Ich habe keine Zeit für endlose Konferenzen, bei denen die Statuten, Regeln, Verfahren und internen Vorschriften besprochen werden, in dem Wissen, dass nichts erreicht wird.

Ich habe keine Zeit mehr, absurde Menschen zu ertragen, die ungeachtet ihres Alters nicht gewachsen sind.

Ich habe keine Zeit mehr, mit Mittelmäßigkeit zu kämpfen.

Ich will nicht in Besprechungen sein, in denen aufgeblasene Egos aufmarschieren.

Ich vertrage keine Manipulierer und Opportunisten.

Mich stören die Neider, die versuchen, Fähigere in Verruf zu bringen um sich ihrer Positionen, Talente und Erfolge zu bemächtigen.

Meine Zeit ist zu kurz um Überschriften zu diskutieren. Ich will das Wesentliche, denn meine Seele ist in Eile. Ohne viele Süßigkeiten in der Packung.

Ich möchte mit Menschen leben, die sehr menschlich sind. Menschen, die über ihre Fehler lachen können, die sich nichts auf ihre Erfolge einbilden. Die sich nicht vorzeitig berufen fühlen und die nicht vor ihrer Verantwortung fliehen. Die die menschliche Würde verteidigen und die nur an der Seite der Wahrheit und Rechtschaffenheit gehen möchten. Es ist das, was das Leben lebenswert macht.

Ich möchte mich mit Menschen umgeben, die es verstehen, die Herzen anderer zu berühren. Menschen, die durch die harten Schläge des Lebens lernten, durch sanfte Berührungen der Seele zu wachsen.

Ja, ich habe es eilig, ich habe es eilig, mit der Intensität zu leben, die nur die Reife geben kann.

Ich versuche, keine der Süßigkeiten, die mir noch bleiben, zu verschwenden. Ich bin mir sicher, dass sie köstlicher sein werden, als die, die ich bereits gegessen habe.

Mein Ziel ist es, das Ende zufrieden zu erreichen, in Frieden mit mir, meinen Lieben und meinem Gewissen.

Wir haben zwei Leben und das zweite beginnt, wenn du erkennst, dass du nur eins hast.”

 

Buchbesprechung · Publication · Publikationen · Theatergeschichte · Theaterwissenschaft

Rezension zu SchauSpielPlatz Venedig (D. Volz)

Venedig
Foto: Nic Leonhardt

Romantik, Dolce Vita, Gondeln, Aqua alta, Biennale, Film und Karneval, San Marco… Venedig! Oder eher das, für das Venedig steht. Was ist, wo liegt Venedig? Was sieht der Venedig-Reisende, der durch die Lagunenstadt flaniert, den Koffer voller mitgebrachter mentaler Bilder und Venedig-Imaginationen, abgehandelter Stereotype? Gibt es Venedig eigentlich (noch)? Oder ist es nur mehr ein Ort des Schauens? Ein Platz, aus Plätzen bestehend, eine bukolische Fantasie, Fassade? Venedig ist viele Venedigs. Eine Heterotopie.

Die Theaterwissenschaftlerin Dorothea Volz widmet sich in ihrer 2018 im transcript-Verlag erschienenen Dissertation SchauSpielPlatz Venedig. Theatrale Rezeption und performative Aneignung eines kulturellen Imaginären um 1900 der Erforschung der Lagunenstadt, indem sie diesen relationalen Ort als Patchwork von Geschichte, Zuschreibung und Bild-Arsenal erörtert.

Auf der Plattform HSozKult erschien unlängst meine Rezension zu Dorothea Volz’ Monographie. Die vollständige Besprechung findet sich hier.

Literatur, Lyrik

Ascona

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Stephan Balkenhol, Detail einer Plastik

Promenade. Eine lebende Statue. Michael Jackson oder Mozart. Ein junger Mann am Ufer. Dick ist er. Schaut der lebenden Skulptur zu, beobachtet. Man sieht ihm an, dass er nicht sicher ist, ob er Geld geben soll oder nicht. Stiehlt sich beschämt davon. Aber nur ein paar Meter weiter, bis er außer Sichtweite des Performers. Dort bleibt er stehen und gräbt in seinen Hosentaschen, minutenlang. Er geht etwas nervös, im besten Falle unsicher. Auf und ab. Nach links und rechts. Schaut immer wieder verstohlen zu dem Performer rüber, der weiterhin sein Ding macht. Statue.

 

Der Dicke ist, man kann es nicht anders sagen, dick. Eine ausgewaschene schwarze Jeans hängt ihm tief auf den speckigen Hüften, ein schwarzes T-Shirt gibt sich Mühe, darüber zu fallen, aber es hängt, aufgehalten in seinem eigentlichen textilen Fluss von einem ziemlich dicken Bauch; spannt an der stärksten Stelle. Sein Gesicht ist konturenlos. Profil zu haben, übt er. Noch immer steht er, die eine Hand in der Hosentasche, die andere verlegen an der Nase. Männer, wenn sie unsicher, verlegen oder verlogen, greifen sich an die Nasenspitze. Vielleicht um zu überprüfen, ob da was raushängt. Oder es ist eine dieser archaischen Übersprungshandlungen, die im Alltag so geläufig, und die den Menschen so versöhnlich in die Nähe des Tieres rücken. Der Performer? Macht seine Faxen, immer wieder, wenn da ja jemand da ist, jemand kommt, auf ihn zu, suggeriert er Stein. Zwinkert. Nicht. Es muss über Maßen anstrengend sein, den lieben langen Tag auf dieser Säule zu stehen und sich steif zu geben wie eine Statue. Manchmal zischt es aus dem stillen Kunstmarmor, ruft Kuckuck oder pfeift einem Passanten oder einer Passantin hinterher. Regungslos. Aufmerksamkeit ist Kapital. Speist sich aus der Spannung zwischen absoluter Steifheit und dem plötzlichen Erwachen der Skulptur, die keine ist; da in dem pittoresken Bild, in das er sich einfügt, zwischen diesen Bilderbuch-Bäumen vor dem Bilderbuch-See und unter der Bilderbuch-Sonne und dem erwartbaren unerwarteten Einbruch der Lebendigkeit des Leibes.

Softeis und Kaffee.

Links im Bild tut sich was. Aus den Hosentaschen wird eine Geldbörse hervorgekramt, der Dicke öffnet sie, sortiert Münzen aus. Wieviel. Es ist. Zählt nicht. Die Blechdose, die der Performer aufgestellt hat, bekommt plötzlich Grund zur Resonanz gefüttert. Es ist ein schepperndes Geräusch. Blechern sonor in Ermangelung. Gleichviel, es kommt Geld in die Kasse. Der Performer nickt und bewegt, die Passanten an, ihn zu bewegen, kleinste Regungen. Sie lachen über die absurde Situation und werfen dankbar für die so kindische Erfahrung des Schrecks ihre Rappen ins Blech. Jetzt kommt Leben in den Scheuen im schwarzen T-Shirt. Beherzt und mit ziemlich großen Schritten bewegt er sich auf die weiße Skulptur zu, wirft die warm und feucht gewordenen Münzen aus der Hose in die Dose. Der Performer quittiert’s mit einem Handschlag, die Skulptur formt die weiß behandschuhte Hand zu einer Faust und trifft den Rücken der ebenfalls gefausteten Hand des Scheuen. Der spielt mit, immer leicht zeitversetzt. Kommt Regung in ihn. Auch. Schnickschnackschnuck für Große. Den etwas stolprigen Handshake beendet der aus Stein mit Daumen hoch. Du bist OK. Es hat lange gedauert, bis es dazu kam, zu dieser Begegnung. Warum? Münzen geworfen, Hände getauscht, in Kontakt, Aufmerksamkeit. Performer, Passanten, persönlich. Die Währung der lebenden Statue ist auch die des Dicken. Er verlässt diese kleine Bühne aus pittoreskem Pflaster.

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Lebende Statue

Als er so weggeht, wieder in die linke Bildhälfte sich bewegt, sieht man, dass sein Gesicht gerötet ist; hektische rote Flecken verteilen sich ungelernt auf der ohnehin blässlich roten Haut des jungen Mannes. In die Rötung hinein zeichnet sich ein Grinsen. Es ist ansteckend. Zufrieden, formt die linke Hand zu einer Siegerfaust. Jetzt schon sicherer. Geschafft! Welchen Deal hat er laufen mit sich? Ein Schritt ist getan. Das Grinsen. Mit Verve zückt er das Smart Phone, stellt sicher den See in die Mitte seines Bildes – und knipst. Wischt und klickt. Vielleicht postet er das Bild. Das noch wichtiger ist für ihn als alle Anderen. Seine Gesten sind Salven. Er geht links aus der Szene, blickt noch einmal kurz zurück zum Schauplatz. Schreitet.

Vielleicht, eventuell, spricht er morgen ein Mädchen an.