Conferences / Symposia · Developing Theatre · Philanthropy · Theatre History · Transnational History

Call for Papers: “Philanthropy, Development, and the Arts” (23-25 July, 2018)

Pegasus OrigamiFrom 23-25 July, 2018, our ERC funded project Developing Theatre will be hosting its first international conference with a special focus on Philanthropy, Development and the Arts: Histories and TheoriesAt the conference, we seek to interrogate the impact of philanthropy on the field of arts – visual arts, theatre, music, dance, opera, drama education, etc. –  between the 19th and 21st centuries. The conference aims at discussing the work, impact, successes and failures of private and corporate philanthropy and NGOs, including semi-statist organizations such as the Goethe Institut, or the British Council, from the perspectives of history, cultural history, political sciences, art and theatre history. The conference will take place from Monday, 23 to Wednesday, 25 July, 2018 at Carl Friedrich von Siemens Stiftung, Munich.

For more info, please see my blog entry on our GTH Blog.

If you have any inquiries regarding the conference, please do not hesitate to contact me.

 

 

Global Theatre History · Media History · Publication · Theatre History · Transatlantic Cultural Exchange · Transnational History

new Publication out on “Circulation. Theatrical Mobility and its Professionalization” (Bloomsbury)

A Cultural History of TheatreEdited by Tracy C. Davis and Christopher B. Balme, this new Cultural History of Theatre series offers an insightful survey from ancient times (500 BCE) to the present. The set of six volumes covers a span of 2,500 years, tracing the complexity of the interactions between theatre and culture. Jointly with japanologist Stanca Scholz-Cionca, I contributed a chapter on “Circulation. Theatre Mobility and its Professionalization in the Nineteenth Century,” which is part of the series’ volume no. 5, “A Cultural History of Theatre in the Age of Empire (1800-1920)”, edited by Peter W. Marx.

Nic Leonhardt, Stanca Scholz-Cionca: “Circulation. Theatre Mobility and its Professionalization in the Nineteenth Century”, in: Peter W. Marx (ed.) A Cultural History of Theatre in the Age of Empire (1800-1920). London. Bloomsbury 2017.

 

 

Conferences / Symposia · Developing Theatre · Global Arts · Theatergeschichte · Theaterwissenschaft · Theatre History

Indian Theatre Artists in the Cold War. ERC Workshop @ India International Centre

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I love traveling to India. There is always more than one reason to go there. One very good reason to book yet another flight to New Delhi is the very first workshop of our ERC research project Developing Theatre. The workshop is taking place at the beautiful India International Centre , from 29-30 September, 2017, and gathers theatre, art and media scholars and practitioners from India and Europe. Chief organiser is my colleague Gautam Chakrabarti  who outlines the agenda of the event as follows:

“Post-independence India was one of the key sites where the “cultural Cold War” was fought–more often than not– with as much gusto and ruthlessness as its ideological and military counterparts. Theatre was one of the core areas in which this cultural conflict was played out between the 1950s and 1980s, with almost all the major players, both individual and collective or institutional, in contemporary Indian theatre having gone through the ’rite de tomorrow passage’ of ideological training. Academic exploration of these political contestations and problematisations of cultural practices, especially in the Indian context, have opened up larger horizons of possible enquiry. This workshop seeks to bring practitioners, scholars and witnesses of this fascinating history into dialogue with one another.”

The workshop is internal. Please find here the Final Programme.

Performance Studies · Publication · Theater in München · Theater international · Theaterwissenschaft

Neue Publikation: Theater-Wissen quer denken

Leonhardt-Theater-Wissen-quer-denken_2017Ist Theater eine Kunst? Ein Medium? Eine Institution? Ein wenig von allem, ließe sich sagen. Es verfügt, gegenwärtig wie historisch, über einen Facettenreichtum wie kaum eine andere Kunst, Institution, wie kaum ein anderes Medium. Theater ist ein Verhandlungsspielraum: ein Ort und Raum des Spiels, der Gleichzeitiges mit Ungleichzeitigem konfrontiert, Gegenwärtiges mit Historischem, ästhetische Konvention und Subversion, sowie Konflikte – subjektive, politische, globale – in den Raum stellt.

Spätestens seit den Theatralitätsdebatten, den Studien zu Interkulturalität und Intermedialität und dem Aufkommen der Performance Studies in den 1990er und 2000er Jahren ist deutlich geworden, dass nicht nur Theater vielschichtig ist, sondern auch die Lesarten des Begriffs selbst. Diese Vielgesichtigkeit und Weite ihres Gegenstands hält die Theaterwissenschaft stets lebendig.

Die Beiträge in Theater-Wissen quer denken beleuchten Facetten szenischer Künste und gewähren einen Einblick in Arbeitsfelder, die den theaterwissenschaftlichen Diskurs in den vergangenen drei Jahrzehnten mitbestimmt haben: Theater und Medien, Theater-Ökonomie, Theater und/als Institution, Theater-Praxis und -Probe, Theater und urbane Kulturen, transnationale Theatergeschichte sowie Theater als ‚Interdisziplin‘. Der vorliegende Band ist gleichsam eine Festschrift für den Theaterwissenschaftler Christopher B. Balme. Die Autor*innen – allesamt Theaterwissenschaftler*innen und ehemalige Doktoranden und Habilitanden Balmes – sind in Forschung und Lehre sowie in theater-, kultur- und mediennahen Berufen tätig.

Mit Beiträgen von Aristita Albacan, Uta Atzpodien, Astrid Betz, Peter M. Boenisch, Chiara Buglioni, Iris Cseke, Wolf Dieter Ernst, Erika Fischer-Lichte, Julia Glesner, Alexander Jackob, Katharina Knüppel, Nic Leonhardt, Rashna Nicholson, Julia Pfahl, Kati Röttger, Constanze Schuler, Sabine Sörgel, Julia Stenzel, Berenika Szymanski-Düll, Gero Tögl, Christopher Vorwerk, Meike Wagner, Birgit Wiens und Johanna Zorn.

Nic Leonhardt (Hg.): Theater-Wissen quer denken. Facetten szenischer Künste aus drei Jahrzehnten. Berlin: Neofelis 2017. ISBN: 978-3-95808-147-5 – Preis: 28.00 €

 

Literatur, Lyrik · Mensch & Tier · Sprache

Vom Theaterwissenschaf

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Collage: Nic Leonhardt

Heute Früh passierte, was lange schon passieren musste. Ausgerechnet in einem wichtigen Schreiben, das ich mit viel Mühe zusammengekritzelt hatte, wurde aus der viel gerühmten fruchtbaren Zusammenarbeit die furchtbare. – Während man jene hochlobtpreist, anstrebt und sich wünscht, bildet diese einen quälenden Umstand und formt eine miese Erfahrung, aus der nur der dringende Wunsch nach wiederum jener retten kann. Furchtbar. So was aber auch! Dabei passe ich immer tierisch auf, so wie ich auf der Hut bin, wenn ich verlautbaren lassen möchte, dass ich auf der Reise sei, aber keineswegs, ganz gleich, welche sexuelle Orientierung ich zeitaktuell bevorzuge, auf der Resie. Auf der Resie. Ja mei, naaa! Das gehört sich doch nicht… Apropos Bayern: in der zweiten Grundschulklasse hatte ich mal im Diktat eine 1-.  Warum? Ich hatte „gschneit“ geschrieben, „geschneit“ wäre richtig gewesen. „Die Nicki aus Bayern“ schrieb mein Klassenlehrer mit Augenzwinkern an den Rand. Ich fand das nicht lustig, denn die Nicki aus Bayern war in der damaligen Schlagerwelt ein bayerisches Cow-Girl mit einer Frisur, die  … – Aber lassen wir das. Gut, dass es damals noch kein Instagram gab.

Zurück zu weniger Furchtbarem.

Meinen Studierenden gebe ich immer mit auf den Weg, sie sollen bitte vor der Abgabe ihrer Haus- oder Abschlussarbeiten noch einmal alles gründlich Korrektur lesen. Der Fehlerteufel sitzt ja im Detail; er hopst wie ein kleines Äffchen durch die Texte und gebiert mal kleine, mal große Schäden. Einen wolligen Wonneproppen gebar er vor vielen Jahren in der Abschlussarbeit einer Kommilitonin in der Theaterwissenschaft. Dieses Wort sollte eigentlich das Schlusswort ihrer Zusammenfassung bilden: Theaterwissenschaft. Was für ein Coup: die Arbeit mit dem Wort beenden, das für das Fach steht, in dem sie verfasst wurde. Theaterwissenschaft ist wichtig! Ein Appell! An die Leser! Die Gutachter! Die Nachwelt! – Wäre da nicht die Sache mit dem Eigenleben der Tastatur gewesen. Was soll ich sagen: aus dem Fach wurde ein Tier, ein zauberhaft märchenhaftes, und zwar: das Theaterwissenschaf! Ein Theaterwissenschaf – das muss man sich leibhaftiglebhaft vorstellen – und schon kann das gerade allerorten auf Muffin-Förmchen, Bikini-Körbchen und Feuchttüchern präsente Einhorn einpacken.

Hätte ich die Wahl, ein Tier nach meinem Geschmack zu formen, wäre es zweifelsohne das Theaterwissenschaf. Die Gründe liegen auf der Hand für diejenigen, die meinen Hintergrund kennen: urtümlich vom Land, Grünzeug essende Tierfreundin, Theatre-Maniac und Wissenschaftlerin. Das Theaterwissenschaf wäre das i-Tüpfelchen meines Seıns.

Von Ferdinand de Saussure kennen wir ja die Perspektive auf sprachliche Zeichen als arbiträr. Was heißt das? Nun, stark vereinfacht erläutert: einen Baum „Baum“ zu nennen, ist arbiträr, das heißt, es ist eine willkürliche Setzung, der sich alle, die sich in einer gemeinsamen Sprache bewegen, fügen. Das Lautbild Baum ist der Vorstellung eines Baumes zugeordnet. Gleiches gilt für Tische, Stühle und so weiter. Ein Stuhl ist im Deutschen ein Stuhl. Das ist eine Konvention. Was passiert aber, wenn Maschinen, die denken, sie seien intelligenter als wir selbst, neue Arbitraritäten ersinnen?

Wir verfügen mittlerweile ja alle über beste Schreibwerkzeuge, Smartphones, Computer aller Fruchtsorten mit Rechtschreibprüfung. Die Zusammenarbeit mit Korrekturprogrammen gestaltet sich indessen oft furchtbar (ja, ich meine hier furchtbar, nicht fruchtbar, hier nicht). In meinem Schreiben heute war die Korrekturfunktion keine Hilfe. Und auch das Schaf von damals wurde nicht mit roten Schlangenlinien unterlegt. Es steht also zu vermuten, dass das Programm ebenso an Theaterwissenschafe glaubt wie wir an Einhörner. Und es bläst ins selbe Horn, wenn es automatisch korrigiert. Wenn man da nicht aufpasst – schafft der Schaft der Fehlerteufel-Feder einen Stall voller Schafe im Text. Ich weiß ja nicht, welche kryptischen Nachrichten Ihr schon aus Versehen bekommen oder selbst verschickt habt. Mein Smartphone machte schon aus Derrida ein „Dreirad“; mein neueres Modell erkennt den französischen Philosophen immerhin als Mann, benennt ihn allerdings in „Derrick“ um. Man will das fast für eine Freudsche Fehlleistung halten. Ebenso wie übrigens vor wenigen Wochen mein liebevoll an meinen besten Freund gerichtetes Kosewort „Honey“ zu „Honecker“ wurde. Mein Freund wunderte sich nicht wenig über die merkwürdige Anrede. Zum Glück kennt er mich.

Dreirad
Derridas Dreirad oder doch Derricks?

Vielleicht wäre die Welt aber auch bunter, wenn wir die Geräte einfach ließen, und sie furchtbar fruchtbar ihr sprachliches Unvermögen weiter zu Gold dichteten. Da würde dann Derrida auf dem Dreirad zu Derrick fahren, oder den Honecker besuchen, alles friedlich, alles bunt. Oder auch grün, wenn die Resie mal wieder auf ihre Weise über die Wiese auf die Reise ginge…

… derweil graste auf der Wiesenbühne genüsslich das arbiträr gebaute, aber gebildete Theaterwissenschaf …

 

Theater in München · Theatergeschichte · Theaterzauber · Zeitgeschichte

Sommer, Theater …

Es ist Sommer. Noch ist er da und allerorten ein Thema, dabei sind die Meisten hierzulande in den wohl verdienten Ferien. In Magazinen und Zeitungen, im Flurgespräch und sozialen Netzwerken wird der Sommer zu Zeiten des Sommerlochs zum gelbleuchtenden Füller desselben. Für passionierte Theatergängerinnen wie mich ist der Sommer neben allem Schönen auch eine Zeit der Entbehrung. Es sind Theaterferien, Spielzeitpause… Gut, dass es Festivals gibt, die Ruhr-Triennale, Biennalen dort und da. Es ist eine Entbehrung. Aber es ist eine Entbehrung auf hohem Lebens-Niveau.

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Hauptbild: Innenraum des Münchner Cuvilliès-Theaters nach 1945. aus: Neumann: “Bewahren und Forschen”. 2016. Rechts: Logo des Deutschen Bühnenvereins – und ganz meine Meinung.

Im Sommer 1945 hatten die Menschen mannigfach Grund zur Sorge. Der Krieg war zu Ende, das Land lag in Trümmern. Was mich im Angesicht dieses graugrausamen Bilds des Schutts und Staubs neben allem, was an diesem schrecklichen Krieg beklagenswert ist, immer wieder rührt und bewegt, ist der Wille zum Theater: kaum dass der letzte Donner verhallt ist, aber noch dissonant nachtönt, bahnt sich dieser Wille seinen Weg. Der Wille, Theater zu machen, der Wille, Theater zu schauen. Weil es ein Menschenwille ist, weil Theater sein muss. Zu allen Zeiten.

Hunger, Armut, den Lärm der Bomben im Ohr, Krankheit, Trauer, Verzweiflung, Hoffnung – was war, was wird? In die durcheinander- und aufrüttelnde Stimmung unmittelbar nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges mischt sich im gesamten deutschsprachigen Raum auch der Wunsch nach Theater. Machen, Spielen, Anschauen, Diskutieren. Jede noch so kaputte Spielstätte wird rasch wiedereröffnet, neue Räume werden gesucht, alte und neue kreative Kräfte gebündelt, ja sogar Schauspielschulen nehmen den Lehrbetrieb wieder auf oder werden neu gegründet (darunter die Otto-Falckenberg-Schule, 1946). Theater setzte von jeher und setzt auch nach 1945 schöpferische, diskursive und physische Energien frei, die ex post schlicht überwältigen – im Guten wie im Schlechten.

Bereits am 8. August 1945 informiert der Münchner Bürgermeister Franz Stadelmayer den Stadtrat über die Entscheidung des Oberbürgermeisters, die Münchner Kammerspiele zum Winter wieder zu eröffnen. Das Schreiben befindet sich im Bestand des Kulturamtes des Stadtarchivs München, im Akt „Inbetriebnahme der beiden städtischen Bühnen der Kammerspiele im Schauspielhaus und des Volkstheaters. 1945/46“. Im gleichen Ordner ist auch ein Schreiben der amerikanischen Besatzungsbehörde abgelegt, in dem darüber informiert wird, dass das Schauspielhaus nicht mehr länger der amerikanischen Armee zur Verfügung stehe, sondern wieder für „Vorstellungen für die Zivilbevölkerung“ frei sei. Beide Notizen sind in Auszügen auf der Website www.100mk.de wiedergegeben, auf der sich auch Teile dieses Blog-Eintrags finden.*

Es ist Sommer. Auch dieses Jahr wieder. Und doch so ganz anders als 1945…

In Zeiten meines Luxus-Jammers fiel mir dieser Moment des Aufbruchs wieder ein. Mit Ehrfurcht vor dem Willen zum Wollen des Spiels im Sommer wirklicher Entbehrung.

*) Bei 100mk.de handelt es sich um ein von den Dramaturgen Sabrina Schmidt, Jeroen Versteele und mir kuratiertes studentisches Projekt anlässlich des 100. Geburtstages der Münchner Kammerspiele 2012.)