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Keynote «Mediating Cultural Meanders: Dance, Narration, Music», Gannat, France, 25-28 July, 2019

association des festival culturesI feel honoured for having been invited as a keynote speaker of the conference Indigenous Languages, Traditional Music and Dance within an Intercultural Performance/ Langues autochtones, musiques et danses traditionelles au sein de performances interculturelles in Gannat (Auvergne, France). The conference, organized by Vikrant Kishore (Australia) and Etienne Rougier (France) takes place along with the Festival des Cultures du Monde, which is a part of UNESCO‘s intangible cultural heritage. Gannat is famous for the festival that takes place every summer since 1974.

The conference will be the first of its time. My talk Mediating Cultural Meanders: Dance, Narration, Music” will discuss the circulation of intangible cultural phenomena using the examples of Thai choreographer Pichet Klunchun and his performance “Nijinsky Siam” as well as the figure and stories of Mullah/Hodja Nasreddin.

 

Ausstellung · bildende Kunst · Bildtheorie · Global Arts · Haiku · Literatur, Lyrik · visual arts · Visual Culture

Alkyones Lichte – Impressionen von der Vernissage am 15. Juni 2019

Alkyones Lichte war die erste Ausstellung, die der bildende Künstler Reza Nassrollahi und ich gemeinsam konzipiert haben. Eine synergetische Arbeit aus Malerei (Reza) und Lyrik (mein Part).  Die Kunstwerke hängen noch bis Ende Juni im Studio Yogamama Katja Reinhardt in Köln (bitte Öffnungs- und Kurszeiten beachten! Zu Zeiten der Kurse keine Besichtigung der Arbeiten möglich).

Die Maße der Originale sind 80x80cm, Repros sind in limitierter Auflage als Acrylblöcke (20x20cm) erhältlich. Der Erlös ihres Verkaufs fließt in das internationale humanitäre Kunstprojekt 1001Soul. Zur Ausstellung ist ein kleiner Katalog erschienen.

 

 

 

 

Ausstellung · bildende Kunst · Haiku · Literatur, Lyrik · News · visual arts

Vernissage ‘Alkyones Lichte’, Malerei & Lyrik, 15. Juni 2019

Alykones Lichte 2019_Titel

Was wir sehen, ist nicht das, was wir zu sehen glauben. Mit jedem Blick
verändert sich zuvor Gesehenes. Realitäten? Lassen sich nicht rahmen.
Je nach Licht und Zeit, je nach Perspektive und Haltung, Ort und Ton offenbart
sich Neues bewährt oder Altes in neuer Gestalt.

Alkyone_Plejaden
Die Plejaden. Alkyone scheint als deren hellster Stern.

Alkyones Lichte leuchten vielseitig, weisen den Weg in die Sterne, Mythologie, Kunst, Musik, Flora und Fauna, die sinnliche und übersinnliche Welt. Alkyone, das ist der hellste Stern der Plejaden, jenes Sternenhaufens, der aus mehreren hundert Sternen besteht; nur die leuchtkräftigsten sind für das bloße menschliche Auge sichtbar.

 

Draper Halcyone 1915
“Halcyone”, Gemälde von Herbert James Draper, 1915.

Alkyone, das ist die kluge Sehende, von der Ovid in seinen Metamorphosen schreibt: In Trauer um ihren gefallenen Gatten in einen Eisvogel verwandelt, um ihr Leid zu mindern, geht schließlich auch sein Körper über in die Gestalt eines Eisvogels, und eben diese Wandlung beider sichert ihre Liebe über den Tod hinaus. „Es blieb, obschon unterworfen der gleichen Wandlung, ihr Lieben bestehn“, schildert Ovid die schillernde Kehr von Trauer in Treue.

In unserer gemeinsamen Ausstellung Alkyones Lichte setzen der bildende Künstler Reza Nassrollahi und ich erstmalig Malerei und Lyrik in Dialog. Jedem seiner Kunstwerke dieser Linie habe ich ein eigenes Kurzgedicht, der Form eines japanischen Haiku folgend,  gleichsam ‘auf den Leib geschrieben’.

Die Vernissage findet am Samstag, 15. Juni 2019, 19 Uhr, statt.

Ort: Studio Yogamama Katja Reichardt. Maastrichter Straße 26, 50672 Köln.

[Graphic Design: Navid Rezvan , Köln]

Zur Vernissage erscheint ein Katalog.

Der Erlös der Ausstellung fließt in das Projekt 1001Soul.

 

 

Audio · Forscher-Freuden · Literatur, Lyrik · Popular Culture · Transnational History

Mullah Nasreddin – Text & Audio

Mullah nasreddin Zeichnung
Rückwärts reiten? Hauptsache nicht in des Esels Blickrichtung blicken. Das ist Nasreddin-Logik 🙂

Seit ich Farsi lerne, steigt mein Interesse an der iranischen Kultur und Geschichte mit jedem Tag. Im Gespräch mit iranischen Freunden erwähnten diese die Geschichten von Mullah Nasreddin, und ich begann, sie zu lesen. (Noch auf Deutsch, aber in der Hoffnung, sie auch in naher Zukunft im Original zu lesen). Wenn der Protagonist der humoristischen Prosa vom Balkan bis Zentralasien wirklich gelebt hat, dann, so schätzt man, muss dies im 13./14. Jahrhundert gewesen sein.

Die kurzen Texte sind würzig und witzig, voller Anspielungen und sehr “Eulenspiegelesk”. Wie so oft in humoristischen und satirischen Kurzformen der Literatur werden die Dinge und Worte auch von Nasreddin allzu wörtlich genommen -– und Sachverhalte stets zu seinem Vorteil, in seiner Eigenlogik ausgelegt. Warum er rückwärts auf dem Esel sitzt, wie in der gängigsten Ikonographie von Mullah Nasreddin dargestellt? Weil er nicht in die gleiche Richtung schauen möchte, wie der Esel… Das ist Nasreddins Logik. Sie wäre auch die Logik Till Eulenspiegels.

Im Gespräch mit meinen internationalen Freunden wurde mehr und mehr klar, dass jede Kultur “ihren” Nasreddin hat; er ist gleichsam Protagonist in und für eine imagined community als auch ein Phänomen transkultureller Wanderung. So sammele ich gerade die Varianten und Zuschreibungen dieser Figur und freue mich über Zuschriften, eigene Versionen von Geschichten, Bilder und andere Hinweise! Ihr seht: ein neues kleines Forschungsgebiet trabt los. Noch habe ich jedoch mehr Fragen als Mullah Nasreddin schlitzigspritzige Antworten.

Von Nasreddin existieren mehr als 600 Geschichten. Ich habe begonnen, die schönsten einzusprechen. Für Kinder und Erwachsene, die dort leben, dort und hier. Hoffentlich dann auch bald auf Farsi 🙂  Einige Hörbeispiele finden sich auf der Seite Sprechen/ Audio; ausgewählte Hörproben  auf dem Audio  Widget auf dieser Startseite. Die von mir eingesprochenen Geschichten werden demnächst auch auf YouTube oder Vimeo zu hören sein.

 

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Maravil – català

Coderch & Malavia_Swan
Coderch & Malavia, The Flight of the Swan

Im Januar schrieb ich den Text  Maravil, angeregt durch die wunderbaren Plastiken der katalanischen Bildhauer Coderch und Malavia, die ich in der Galerie Benjamin Eck in München entdeckt  hatte.

Der Text ist nun, als Reverenz vor Coderch und Malavia, ins Katalanische übersetzt.

Ich danke von Herzen Daniela Schulz für die zeitnahe und schöne Übersetzung.

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Die Zeit und ihre Flügel – “Meine Seele hat es eilig”

 

zentrifugalkraft
Kettenkarussell im Wiener Prater. Flieh- und Ziehkraft. Foto: Nic Leonhardt

Der unerwartete Tod meines Vaters zum Ende des vergangenen Jahres hält noch immer meine Gedanken in einem Karussell-Modus. Einer ambivalenten Dynamik unterliegen sie – wandelnd zwischen einem zentripetalen Innehalten einerseits – und einem konstruktiven, zentrifugalen Umgang mit dieser Zäsur andererseits. Man nennt das wohl die Zeit der Trauer. Es ist eine schwere, es ist eine gute, es ist eine wichtige Zeit.

Hat mich schon lange vorher immer wieder die Frage nach der Zeit und ihren Qualitäten beschäftigt (etwa in Von Zeitkuchen, Irre Stunde, Gestern Erst, Deep Work etc.), tut sie das seitdem umso mehr. Nicht ein Tag vergeht, an dem ich nicht über die Frage nachdenke, wie die Zeit zu nutzen sei, wie Er sie genutzt hat, wie Er sie (auch noch gerne) genutzt hätte, wie ich sie gerne leben möchte, in welchem Rahmen mir dies möglich gemacht wird –, und ich es mir selbst ermögliche. Diese Dinge. – Die Gedanken dürften nicht nur meine sein.

Vor ein paar Tagen flatterte die neueste Ausgabe des Magazins Forschung & Lehre in mein Haus; ich blätterte sie auf und fand den wunderbaren Text Meine Seele hat es eilig dort abgedruckt. Er wird  häufig dem brasilianischen Schriftsteller Mario de Andrade (1893–1945) zugeschrieben, stammt aber wohl eher von Ricardo Gondim (geb. 1954) und trägt im portugiesischen Original den Titel  Tempo que foge (=”Die Zeit, die flieht”) . Nicht nur passt der Text sehr gut zu dem geschilderten akuten Mäandern meiner Gedanken; er scheint mir auch im Hinblick auf die Academia ein sehr wichtiger Anstoß, um einmal innezuhalten in diesem gegenwärtig vorherrschenden Geflecht von managerialen Aufgaben, Antragstellungen und nicht enden wollender (digitaler) Kommunikation, die uns so oft von dem abhält, für das wir doch eigentlich brennen: Fragen und Forschen, Vermitteln und Lehren; den Dingen auf den Grund gehen; unsere (Be-)Funde und Zweifel mit Kolleginnen, Studierenden und Freunden diskutieren; Wissen hinterfragen, neues Wissen schaffen – und, völlig unabhängig vom akademischen Rahmen, mit Menschen und für Menschen da zu sein, die uns wichtig sind, von denen wir lernen können. In einem freien Raum von Zeit.

Meine Seele hat es eilig fügt sich frappierend in die Gegenwart ein – und gerade durch ihre Schlichtheit helfen die Zeilen, die mäandernden Gedanken in ein Flussbett zu lotsen, sie auf gesundem Fahrwasser zu navigieren. 

Meine Seele hat es eilig 

“Ich habe meine Jahre gezählt und festgestellt, dass ich weniger Zeit habe, zu leben, als ich bisher gelebt habe. Ich fühle mich wie dieses Kind, das eine Schachtel Bonbons gewonnen hat: die ersten essen sie mit Vergnügen, aber als es merkt, dass nur noch wenige übrig waren, begann es, sie wirklich zu genießen.

Ich habe keine Zeit für endlose Konferenzen, bei denen die Statuten, Regeln, Verfahren und internen Vorschriften besprochen werden, in dem Wissen, dass nichts erreicht wird.

Ich habe keine Zeit mehr, absurde Menschen zu ertragen, die ungeachtet ihres Alters nicht gewachsen sind.

Ich habe keine Zeit mehr, mit Mittelmäßigkeit zu kämpfen.

Ich will nicht in Besprechungen sein, in denen aufgeblasene Egos aufmarschieren.

Ich vertrage keine Manipulierer und Opportunisten.

Mich stören die Neider, die versuchen, Fähigere in Verruf zu bringen um sich ihrer Positionen, Talente und Erfolge zu bemächtigen.

Meine Zeit ist zu kurz um Überschriften zu diskutieren. Ich will das Wesentliche, denn meine Seele ist in Eile. Ohne viele Süßigkeiten in der Packung.

Ich möchte mit Menschen leben, die sehr menschlich sind. Menschen, die über ihre Fehler lachen können, die sich nichts auf ihre Erfolge einbilden. Die sich nicht vorzeitig berufen fühlen und die nicht vor ihrer Verantwortung fliehen. Die die menschliche Würde verteidigen und die nur an der Seite der Wahrheit und Rechtschaffenheit gehen möchten. Es ist das, was das Leben lebenswert macht.

Ich möchte mich mit Menschen umgeben, die es verstehen, die Herzen anderer zu berühren. Menschen, die durch die harten Schläge des Lebens lernten, durch sanfte Berührungen der Seele zu wachsen.

Ja, ich habe es eilig, ich habe es eilig, mit der Intensität zu leben, die nur die Reife geben kann.

Ich versuche, keine der Süßigkeiten, die mir noch bleiben, zu verschwenden. Ich bin mir sicher, dass sie köstlicher sein werden, als die, die ich bereits gegessen habe.

Mein Ziel ist es, das Ende zufrieden zu erreichen, in Frieden mit mir, meinen Lieben und meinem Gewissen.

Wir haben zwei Leben und das zweite beginnt, wenn du erkennst, dass du nur eins hast.”