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Vernissage Petra Levis @CAS LMU, 30. April

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Das Center for Advanced Studies (CAS) der LMU München zeigt im Sommersemester 2019
Arbeiten der deutsch-amerikanischen Künstlerin

PETRA LEVIS

Dauer der Ausstellung: 30. April bis 31. Juli 2019
Vernissage: Dienstag, 30. April 2019, 19 Uhr
Einführung: PD Dr. Nic Leonhardt (Theaterwissenschaft, LMU)
Ort: Center for Advanced Studies, Seestraße 13, 80802 München

Das CAS bittet um Anmeldung via e-mail info@cas.lmu.de oder telefonisch 089-2180 72080

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Ausstellung · bildende Kunst · Bildtheorie · Kunstgeschichte · Literatur, Lyrik · Nuggets · Tanz · visual arts

Maravil

Auf einer Vernissage in der Galerie Benjamin Eck in München vergangene Woche lernte ich die bezaubernden Plastiken der katalanischen Bildhauer Joan Coderch und Javier Malavim kennen. Die Bronze-Figuren sind gerade einmal einen Meter groß, strahlen aber eine Kraft und Körperlichkeit, wie ich es selten in einer Skulptur dieser Größe gesehen habe. Vielleicht war die Wirkung der hölzernen Moriskentänzer von Erasmus Grasser, die dieser 1480 kreierte, damals eine ähnliche für seine Zeitgenossen; Edgar Degas’ “Grande Danseuse/ Petite Danseuse” oder die sinnlichen Arbeiten Auguste Rodins wickeln noch heute unseren Blick ein.

Wenige Tage nach meiner ersten Begegnung mit Coderchs und Malavims “The Great Swan” und “Swan Dance” habe ich die beiden Figuren erneut in der Galerie besucht. Ihre Bewegungen sind so unglaublich gut gebildet – sie würden G.E.Lessing ein weiteres Exempel für den von ihm beschriebenen “fruchtbaren Augenblick” bieten…

Ich musste über sie schreiben.

Die Übersetzung  ins Katalanische besorgte freundlicherweise Daniela Schulz. Sie ist hier abrufbar.

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Fotografie · Literatur, Lyrik · Mensch & Tier · Nuggets

Leu. Bukolisch?

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Löwe im Dickicht. Giardini, Venezia (photo: Nic Leonhardt)

“Was für ein herrlicher Wald!”, rief der Löwe und sah sich erfreut um. “An so einem schönen Ort war ich noch nie.” “Ich finde ihn eher unheimlich”, sagte die Vogelscheuche. “Überhaupt nicht”, sagte der Löwe. “Hier und nirgendwo sonst möchte ich leben. Fühl doch nur, wie weich das Laub unter den Füßen ist, und sieh, wie saftig und grün das Moos ist, das sich an diese alten Bäume schmiegt. Ein behaglicheres Zuhause kann sich ein wildes Tier gar nicht wünschen.” (Der Zauberer von Oz)

 

Wer (wie ich) den Löwen in seinem Namen trägt, ist empfänglich für Löwenbilder. In meinem aktuellen Wohnort München gibt es so viele Löwen im Bild/nis wie Gondeln in Venedig. Vor der Residenz hockt eine Löwenskulptur mit gülden leuchtender Nase: Die Münchner stoppen am Leu, wann immer sie ihn passieren, und rubbeln sein Riechorgan. Das bringt Glück. Und Geld. Sagen sie. München ist wohlhabend. Es hat hier ‘viel Löwe’. –

Noch mehr Löwen lungern in Venedig. Als ich in der vergangenen Woche die Biennale dort besuchte und die Giardini passierte, lugte dieser steinerne Löwe aus dem Dickicht hervor. Sein Gesichtsausdruck – konsterniert – lässt vermuten, dass ihm das Grün über die Jahre gewaltig über den Kopf gewachsen…. Mehr vom Guten ist zu viel. Ein Embarras de Richesse. Wohl gebrüllt? Bukolisch geseufzt, Löwe.

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Im Rampenlicht: “The Theatre Cat”

Historische Forschung im Archiv generiert ihren Zauber auch durch unverhoffte Funde, die sich beim Durchblättern von Materialien auftun. Die Abweichung vom eigentlichen Fokus, vom wissenschaftlichen Erkenntnisinteresse, das der Entscheidung, einen Korpus zu sichten, stets vorausgeht, ist nicht zu planen. Die Aufmerksamkeit wird (ab-)gelenkt, wenn sich ein Stichwort oder ein Bild in den Augenwinkel schiebt, auf das ein anderes berufliches oder auch persönliches Interesse geeicht ist. Diese Ablenkungen sind höchst willkommen. Denn durch sie kann im besten wissenschaftlichen Sinne der Zufall eine neue Idee zuspielen – auf anderen Ebenen mag er in einem Schmunzeln münden, und plötzlich fühlt man sich dem historischen Material noch ein Stückchen näher. Es wird ‘heutiger’.

The Theatre Cat New York Dramatic Mirror March 1894

Cat content ist so eine Aufmerksamkeitsumlenkungsfalle. Als Begriff recht rezent und in enger Verbindung mit digitalen (sozialen) Medien genutzt, als Phänomen aber doch mindestens so alt wie die Presse. Gefunden in einer März-Ausgabe des New York Dramatic Mirror aus dem Jahr 1894 (einem Fachjournal für die darstellenden Künste), – zufällig natürlich – , offenbart der Artikel “The Theatre Cat”, dass man auch vor 124 Jahren mit Speck schlicht Mäuse fing. In den Medien wie im Theater. Im Kontext der entsprechenden Zeitungsseite ist die Meldung gar einer Personalie vorangestellt, und auch hinsichtlich der Zeichenanzahl sind die Prioritäten hier klar gesetzt: im Rampenlicht gewinnt das Feline! Im geschilderten Fall stiehlt eine gelbe Katze dem Hamlet-Darsteller die Show, Shakespeares Stoff die Tragik, und dem porträtierten Courtlandt Palmer den Medienauftritt für sein Debüt als Pianist:

The Theatre Cat New York Dramatic Mirror March 1894

“EVERY well-organized theatre – like every well-conducted newspaper – should have a cat. And there are probably few theatres in New York that do not keep one of those useful animals for the purposes for which the cat seems to have been created. But there are theatres that keep a cat so carelessly that the feline, when supposed to be watching for rats or mice in some dark corner, now and then walks disconcertingly in upon some critical scene in a play and queers the performance. 

The unexpected – especially if it be in the theatre – seems always to please an audience, if it has no element of danger. If it have [sic] an element of absurd contrast, the surer it will be to please. And the love of the ludicrous is so strong that the average theatre auditor will relax from intense sympathy with a sublime personation even of SHAKESPEARE to exercise the risibles over the accidental advent of a cat upon the scene. 

This is suggested by the interruption of a performance of Hamlet in the Schiller Theatre, Chicago, the other day, by a yellow cat that became meteorically active from stage fright the moment it confronted the footlights.

The animal alarmed as well as disconcerted the actors on the stage, not excepting the star himself, and it was some minutes after it had disappeared “like a yellow streak” from the scene that anything like seriousness was restored. As it was, Hamlet from that moment ceased to be tragedy for that night. 

We in New York see the cat occasionally; and whether it be yellow or black, brindle or gray, the result is always the same. Not even the most intense and exciting moment of an IRVING production can successfully withstand the intrusion of a cat.”

(The New York Dramatic Mirror, 3 March, 1894)

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Nuggets

Irre Stunde

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Vorbild: Entscheidet selbst, wann die Stunde voll ist.

Die Zeit beschäftigt. Wenn ich in mein Portfolio schaue, wird mir klar, wie sehr sie das tut, ständig taucht sie auf, in Texten, im Curriculum Vitae – und selbst in diesem Blog wird man als Autorin und Leserin immer wieder an die Zeit erinnert. Gnadenlose Timelines. Was war wann?

Es ist erstrebenswert und doch so schwer manchmal, im Hier und Jetzt und nur im Hier und Jetzt zu sehen und zu sein. Gottfried Keller (1819–1890) schreibt in seinem Gedicht „So werd ich manchmal irre an der Stunde…“:

So werd ich manchmal irre an der Stunde, an Tag und Jahr, ach, an der ganzen Zeit! […]  

Tritt denn kein Uhrenmacher kühn hervor, die irre Zeit mit Macht zu regulieren? Soll sie denn ganz in Staub und Rost verkümmern?

Die Zeilen dazwischen sind, wie so oft in Gedichten und Aphorismen über die Zeit, recht negativ und destruktiv. Bei allem Respekt vor der Poesis: Muss das sein?

“Irre an der Stunde” werde ich derzeit in einem beinahe rührenden Sinne stündlich. Und das hat mit dieser hier abgebildeten Uhr zu tun. Sie steht bei mir im Arbeitszimmer, hat alle meine Umzüge seit dem Abi mitgemacht. Von manchen Freunden und Mitbewohnern als kitschig diffamiert, blieb sie doch treuer bei mir als manche jene. Sie stammt von der Großmutter meines Vaters, der ihr irgendwann in einem Bastelwahn ein modernes Innenleben und ein Uhrwerk mit Big Ben-Klang-Geläut einbaute. Als Kinder haben mein großer Bruder und ich gerne im hinteren Holzfach der Uhr ein Osterei versteckt. Manchmal vergaßen wir das Versteck, wir rochen es irgendwann.

Beim Frühjahrsputz habe ich der alten Dame nun neue Batterien eingepflanzt. Jetzt schlägt sie zur vollen Stunde, wobei – jetzt kommen ihr süßer Tick und schalkiges Spiel mit der Zeit – sie selbst entscheidet, wann das ist: mal um punkt, mal um 3 nach, dann um 7 oder 17.

Ein Freigeist-Haushalt misst  die Zeit nach eigenem Takt 😉

So werd ich aktuell manchmal irre an der Stunde – und finde dies extrem erheiternd, weil wir einfach selbst und mehrfach stündlich entscheiden, wann sie voll ist.

Gute Zeiten! Gute Momente!

Literatur, Lyrik · Nuggets · Work-Life Balance

Lebenswucht

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photo: Nic Leonhardt, Rhodos

Manchmal rüttelt das Leben mit voller Wucht an Dir wie Starkwind an einem Fähnchen.

Du könntest kippen, das wäre ein Leichtes.

Du kannst aber auch in den Spiegel schauen und dankbar sein,

Dass dein Auge die Herrlichkeit der Weite blicken,

Deine Nase die Würze von Meer und Wäldern riechen,

Dein Haar der Wind zärteln

Und dein Mund Liebe, Trost und Stärke zusprechen kann.