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SIBMAS – Vice-Presidency

SIBMAS Header.pngAt this year’s SIBMAS conference in Paris I was given the office of the new Vice-President of the organization.

SIBMAS is the Société Internationale des Bibliothèques, Musées et Archives des Arts du Spectacle/ International Association of Libraries, Museums, Archives and Documentation Centres of the Performing Arts, and was founded in 1954.

I am very grateful and would like to thank the committee for their faith. I look forward to working for the organization, jointly with new President Barry Houlihan (Galway, Ireland) and the ExComm.

The next SIBMAS conference (2020) will be taking place in Warsaw.

 

 

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Im Rampenlicht: “The Theatre Cat”

Historische Forschung im Archiv generiert ihren Zauber auch durch unverhoffte Funde, die sich beim Durchblättern von Materialien auftun. Die Abweichung vom eigentlichen Fokus, vom wissenschaftlichen Erkenntnisinteresse, das der Entscheidung, einen Korpus zu sichten, stets vorausgeht, ist nicht zu planen. Die Aufmerksamkeit wird (ab-)gelenkt, wenn sich ein Stichwort oder ein Bild in den Augenwinkel schiebt, auf das ein anderes berufliches oder auch persönliches Interesse geeicht ist. Diese Ablenkungen sind höchst willkommen. Denn durch sie kann im besten wissenschaftlichen Sinne der Zufall eine neue Idee zuspielen – auf anderen Ebenen mag er in einem Schmunzeln münden, und plötzlich fühlt man sich dem historischen Material noch ein Stückchen näher. Es wird ‘heutiger’.

The Theatre Cat New York Dramatic Mirror March 1894

Cat content ist so eine Aufmerksamkeitsumlenkungsfalle. Als Begriff recht rezent und in enger Verbindung mit digitalen (sozialen) Medien genutzt, als Phänomen aber doch mindestens so alt wie die Presse. Gefunden in einer März-Ausgabe des New York Dramatic Mirror aus dem Jahr 1894 (einem Fachjournal für die darstellenden Künste), – zufällig natürlich – , offenbart der Artikel “The Theatre Cat”, dass man auch vor 124 Jahren mit Speck schlicht Mäuse fing. In den Medien wie im Theater. Im Kontext der entsprechenden Zeitungsseite ist die Meldung gar einer Personalie vorangestellt, und auch hinsichtlich der Zeichenanzahl sind die Prioritäten hier klar gesetzt: im Rampenlicht gewinnt das Feline! Im geschilderten Fall stiehlt eine gelbe Katze dem Hamlet-Darsteller die Show, Shakespeares Stoff die Tragik, und dem porträtierten Courtlandt Palmer den Medienauftritt für sein Debüt als Pianist:

The Theatre Cat New York Dramatic Mirror March 1894

“EVERY well-organized theatre – like every well-conducted newspaper – should have a cat. And there are probably few theatres in New York that do not keep one of those useful animals for the purposes for which the cat seems to have been created. But there are theatres that keep a cat so carelessly that the feline, when supposed to be watching for rats or mice in some dark corner, now and then walks disconcertingly in upon some critical scene in a play and queers the performance. 

The unexpected – especially if it be in the theatre – seems always to please an audience, if it has no element of danger. If it have [sic] an element of absurd contrast, the surer it will be to please. And the love of the ludicrous is so strong that the average theatre auditor will relax from intense sympathy with a sublime personation even of SHAKESPEARE to exercise the risibles over the accidental advent of a cat upon the scene. 

This is suggested by the interruption of a performance of Hamlet in the Schiller Theatre, Chicago, the other day, by a yellow cat that became meteorically active from stage fright the moment it confronted the footlights.

The animal alarmed as well as disconcerted the actors on the stage, not excepting the star himself, and it was some minutes after it had disappeared “like a yellow streak” from the scene that anything like seriousness was restored. As it was, Hamlet from that moment ceased to be tragedy for that night. 

We in New York see the cat occasionally; and whether it be yellow or black, brindle or gray, the result is always the same. Not even the most intense and exciting moment of an IRVING production can successfully withstand the intrusion of a cat.”

(The New York Dramatic Mirror, 3 March, 1894)

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EASTAP – Neue Assoziation für Dialog und Forschung über Theater in Europa

EASRAP HorizontalIch kann mich noch sehr gut an diesen einen Sommerabend erinnern, als wir anlässlich der Jahrestagung der International Federation for Theatre Research (IFTR) 2016 in Stockholm unter Kollegen in der U-Bahn darüber sprachen, dass Europa eine so reiche Theaterszene und -geschichte aufweist, wir aber in der gemeinsamen Erforschung und hinsichtlich des Austauschs europäischer theaterwissenschaftlicher Kompetenz noch einige Hausaufgaben zu machen hatten. Ein Defizit und Desiderat. Befanden wir alle, während wir so durch die schwedische Hauptstadt tuckerten.

Allen voran Josette Féral (Sorbonne, Paris) schlug bald darauf die Gründung einer Assoziation für die Erforschung von Theater und Performance in Europa vor. Und dann ging alles ziemlich schnell: sie fragte an und hörte sich um, viele weitere Kollegen fingen Feuer für die Idee, erste Treffen fanden statt, Task Forces wurden gebildet, – et voilà: bereits ein Jahr später, wurde im Oktober 2017EASTAP gegründet, die European Association for the Study of Theatre and Performance! 

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Théâtre des Bouffes du Nord, Paris (Foto: Nic Leonhardt)

Seit wenigen Tagen nun ist die Gesellschaft auch offiziell registriert, mit Josette Féral als Präsidentin und Daniele Vianello (Italien) als Vize-Präsident. 450 Mitglieder zählt EASTAP bereits, sie stammen aus 25 Ländern.

Die erste EASTAP-Konferenz findet vom 25.-28. Oktober 2018 in Paris statt, unter dem programmatischen Thema “Decentering European Vision(s): The Emergence of New Forms”. (cfp in Englisch / cfp in Französisch).

Im Dezember dieses Jahres soll auch die erste Ausgabe des European Journal of Theatre and Performance herauskommen. Schwerpunktthema für diese Ausgabe ist “Spectres of Europe: Past and Present European Theatre between Communitarianism and Cosmopolitanism” gewidmet Call for proposals EASTAP Journal 1,2018 )

 

Vielleicht sollte man häufiger zusammen U-Bahn fahren, wenn man etwas bewegen will.

Großer Glückwunsch und große Vorfreude aufs gemeinsame Denken und Machen!

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70 Jahre I.T.I. – Nuggets aus dem Archiv

ITI Gründung auf der Titelseite des Courier July 1948, Vol I , No 6
Titelblatt des Unesco Courier, Vol I, 6, 1948. Der Bericht über den ersten ITI-Kongress in Prag, 28. Juni bis 3. Juli 1948, ist Aufmacher.

(Artikel aktualisiert & ergänzt durch neues Material per 27.02.18)

Es ist kaum vorstellbar, dass es die weltweit größte Organisation für die darstellenden Künste, das International Theatre Institute (ITI) mit mittlerweile über 90 nationalen/ regionalen Zentren, einmal nicht gegeben haben soll. In diesem Jahr, 2018, schaut die Organisation auf das 70. Jahr ihrer Gründung zurück: 1948. Die Gründung stand in engem Zusammenhang mit den damals wie heute wichtigen Prämissen internationaler Verständigung, sozialer und politischer Chancengleichheit und kulturellem Austausch, die neben vielen anderen Initiativen jener Jahre auch die United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization, kurz Unesco, zu ihrem Programm erhob.

Die Gründungsphase des ITI interessiert mich nicht nur als Forscherin, sondern auch als ihr Mitglied. Während meiner aktuellen Forschungsarbeit in Paris* fielen mir interessante, teils auch digital verfügbare Materialien aus den das Institut konstituierenden Jahren in die Hände.

logoBereits 1947 stand die Idee, ein internationales Theater-Institut zu gründen, bei der Unesco im Raum, stets betont auch durch den damaligen Generaldirektor der Unesco, Julian Huxley. Theater firmierte in den Unesco-Abteilungen zunächst unter “Arts and Letters”. Von Anfang an waren auch  für das Theater Verantwortliche registriert, darunter Maurice Kurtz (USA), B. Dhingra (Indien) und als Schriftführerin B. Musso (Frankreich).  Doch die Gründung eines internationalen Theater-Instituts war nicht nur eine Idee, sondern ein beabsichtigtes Vorhaben, das durchdacht und systematisch angegangen wurde. In seinem “Progress Report” vom 3. Juni 1947 berichtet Huxley: “Unesco plans to have established an International Theatre Institute. We have already arranged for a conference of leading experts in this field to be held in Paris in July.” Und der  Unesco Monitor, das Publikationsorgan der Organisation für 1947 (ab 1948 abgelöst durch den Courier), meldet in der Ausgabe vom August: “Personnel of the Arts and Letters section were named to act as secretariat for the international conference of theatre experts at Unesco House July 28–August 1 under the chairmanship of Mr. J.B. Priestley, for the purpose of considering the foundation of an International Theatre Institute.”ITI is planned

Unter dem Vorsitz des britischen Dramatikers und Journalisten John Boynton Priestley (1894–1984) kamen also die “leading experts”, es waren insgesamt 25 aus 14 Ländern, im Juli 1947 im Unesco Haus in Paris zusammen, um sich über die Zielsetzungen und die Organisationsform des künftigen Länder übergreifenden Instituts zu verständigen. Der französische Autor und Dramatiker Armand Salacrou, Mitglied des Executive Committees des ITI und Präsident des French National Theatre Centre, erläutert das Vorgehen zur Auswahl der Experten in einer Ausgabe des Unesco-Magazins Courier: “First of all we set up a Theatre Committee made up of 30 members, on the model of the French National Commission for Unesco. The Theatre Committee consists of four high officials and seventeen distinguished personalities elected by the French theatre associations (the National Theatre Federation, the Society of Authors and the various trade unions representing writers, directors, actors, producers and so on). In turn, these twenty-one members of the Theatre Committee named nine prominent theatre men to form part of the Committee.” (Courier, Vol I, No. 5, June 1948, S. 6)

Kurtz on ITI Courier Vol I, 6, 1948
Auszug aus einem ausführlichen Artikel von Maurice Kurtz zur Gründungsphase des I.T.I. In Unesco Courier, I, 6, 1948, S. 6. (Aufs Bild klicken für Volltext)

Man beschloss, dass das Internationale Theater-Institut aus nationalen Centern und einer Hauptverwaltungsstelle (Headquarter) bestehen solle. Unesco initiierte das Vorhaben und finanzierte es anfänglich, aber es stand von vornherein fest, dass man dem ITI in der Folge Unabhängigkeit gewähre. In der allerersten Ausgabe des Courier heißt es unter der Überschrift “Highlights of Unesco Projects for New Year”: “In the field of Arts and Letters, Unesco will continue to support by technical advice the creation of an International Theatre Institute, independent of Unesco.” (Courier, Vol. I, Nr. 1, 1948, S. 6). Um die Eigenständigkeit des ITI zu unterstreichen, bezog es auch ab 1948 ein eigenes Gebäude in der 1, Rue de Millois, Paris (dort befinden sich auch heute noch Teile der ITI-Archive; das international office ist mittlerweile nach Shanghai umgesiedelt).

ITI Broschüre designed von Jean Picart Le Doux
Erste Broschüre des ITI, 1948. Das Cover gestaltete der französische Künstler Jean Picart Le Doux (1902–1982)

Der bereits oben erwähnte, für Theater zuständige und an der Initiierung des ITI maßgeblich beteiligte Maurice Kurtz unterstrich 1948 die Notwendigkeit der Gründung mit den Worten: “The fact that Unesco has, at the outset of its activities, taken the initiative in this undertaking is a concrete indication that Theatre has an important role to play in furthering international understanding.” (so abgedruckt in der ITI Broschüre von 1948, siehe nebenstehende Abbildung). Die internationale Verständigung zu befördern, war folglich Ziel nicht nur der Unesco, sondern auch des ITI.

Für eine bessere Vernetzung der Theaterschaffenden in der Welt zu sorgen, ihren ideellen, aber auch ganz realen praktischen Austausch zu fördern, etwa in Form von Festivals, Konferenzen oder Workshops, sowie den besseren Fluss von Informationen über bühnenpraktisches Wissen zu ermöglichen, waren weitere Aufgaben. Das ITI “is designed to promote international exchange in the world of theatre, to facilitate the movement of theatrical troupes, scripts, ideas and all kinds of theatre information”, heißt es in Courier, Vol I, Nr. 1, 1948. Nicht immer ging die Umsetzung dieser Ziele ohne Probleme über die Bühne. Geographische und politische Asymmetrien waren nicht nur damals Hindernisse, die sich regelmäßig in den Akten des ITI finden lassen.

Ein erster Kongress, der vom 28. Juni bis 3. Juli 1948 in Prag stattfand, markierte gleichermaßen den offiziellen Beginn für das ITI. Die teilnehmenden Vertreter kamen aus Ägypten, Australien, Belgien, Brasilien, Chile, China, England, Finnland, Frankreich, Haiti, Italien, Luxemburg, Schweiz, Südafrika, Österreich, Ungarn sowie den Vereinigten Staaten. Prag war absichtlich als Tagungsort ausgewählt worden, als “the centre of poor, ruined Europe”, wie Salacrou unterstrich. Theaterschaffende aus unterschiedlichen Ländern trafen dort zusammen, “to study common problems, exchange information, form friendships and embark upon a constructive task in the interests of human culture. Is not this, in the year 1948, a great achievement?”, fragte Salacrou rhetorisch. Und auch der heutige Blick belässt diese Frage bei einer rhetorischen.  Ja, das ist es in der Tat.

ITIWenn ich mir die politische Weltlage, wie sie sich gegenwärtig geriert, so anschaue, kann ich nicht umhin, Kurtz’ Worte zu unterstreichen: “Theatre has an important role to play in furthering international understanding.” – Und diese soll es bitte auch in den kommenden 70 Jahren unbedingt ausüben.

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*) Die erwähnten Archivmaterialien entstammen den Repositorien des Unesco Archives und seiner digitalen Sammlungen. Der Courier ist in Volltext online zugänglich. Meine Archivarbeit wird derzeit gefördert durch das ERC-Projekt Developing Theatre an der LMU München ein Fellowship am Deutschen Historischen Institut Paris.

Performance Studies · Publication · Theater in München · Theater international · Theaterwissenschaft

Neue Publikation: Theater-Wissen quer denken

Leonhardt-Theater-Wissen-quer-denken_2017Ist Theater eine Kunst? Ein Medium? Eine Institution? Ein wenig von allem, ließe sich sagen. Es verfügt, gegenwärtig wie historisch, über einen Facettenreichtum wie kaum eine andere Kunst, Institution, wie kaum ein anderes Medium. Theater ist ein Verhandlungsspielraum: ein Ort und Raum des Spiels, der Gleichzeitiges mit Ungleichzeitigem konfrontiert, Gegenwärtiges mit Historischem, ästhetische Konvention und Subversion, sowie Konflikte – subjektive, politische, globale – in den Raum stellt.

Spätestens seit den Theatralitätsdebatten, den Studien zu Interkulturalität und Intermedialität und dem Aufkommen der Performance Studies in den 1990er und 2000er Jahren ist deutlich geworden, dass nicht nur Theater vielschichtig ist, sondern auch die Lesarten des Begriffs selbst. Diese Vielgesichtigkeit und Weite ihres Gegenstands hält die Theaterwissenschaft stets lebendig.

Die Beiträge in Theater-Wissen quer denken beleuchten Facetten szenischer Künste und gewähren einen Einblick in Arbeitsfelder, die den theaterwissenschaftlichen Diskurs in den vergangenen drei Jahrzehnten mitbestimmt haben: Theater und Medien, Theater-Ökonomie, Theater und/als Institution, Theater-Praxis und -Probe, Theater und urbane Kulturen, transnationale Theatergeschichte sowie Theater als ‚Interdisziplin‘. Der vorliegende Band ist gleichsam eine Festschrift für den Theaterwissenschaftler Christopher B. Balme. Die Autor*innen – allesamt Theaterwissenschaftler*innen und ehemalige Doktoranden und Habilitanden Balmes – sind in Forschung und Lehre sowie in theater-, kultur- und mediennahen Berufen tätig.

Mit Beiträgen von Aristita Albacan, Uta Atzpodien, Astrid Betz, Peter M. Boenisch, Chiara Buglioni, Iris Cseke, Wolf Dieter Ernst, Erika Fischer-Lichte, Julia Glesner, Alexander Jackob, Katharina Knüppel, Nic Leonhardt, Rashna Nicholson, Julia Pfahl, Kati Röttger, Constanze Schuler, Sabine Sörgel, Julia Stenzel, Berenika Szymanski-Düll, Gero Tögl, Christopher Vorwerk, Meike Wagner, Birgit Wiens und Johanna Zorn.

Nic Leonhardt (Hg.): Theater-Wissen quer denken. Facetten szenischer Künste aus drei Jahrzehnten. Berlin: Neofelis 2017. ISBN: 978-3-95808-147-5 – Preis: 28.00 €