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Gestern erst – erste Gehversuche auf Vimeo

 

gestern erst

Seit langem schon hatte ich vor, eigene Texte einzusprechen. Arbeit und Alltag hielten Herz und Kopf mit anderem auf Trab. Zum Jahresbeginn habe ich mich dann endlich auf Expedition in dieses Neuland gewagt. Einen ersten Versuch habe ich an diesem Wochenende mit meinem Text Gestern erst gestartet, den ich im Herbst 2007 in New York schrieb, und der in Schriftform schon länger auf diesem Blog zu lesen ist. Auf einer zweiten Tonspur habe ich meine Version von Ne me quitte pas von Jacques Brel eingesungen, das schien mir zur Stimmung des Textes zu passen. Es rauscht noch ein wenig, aber die Fehler lernt man durchs Probieren erst. Das ist, was ich “experiential research” nenne – Erforschen durch Erfahren und Erleben.

Zum Audio-Video gelangt Ihr durch Klick auf das Bild.

Architektur · Kunstgeschichte · Publikationen · Work-Life Balance

Architekturgeschichte (Leonhardt feat. Leonhardt)

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Cusanusstift, Längsschnitt der Kapelle, ein Prototyp der Einstützenkirchen (Skizze aus den Bauuntersuchungen von Michael Leonhardt, Trier)

In unserer Familie haben mein Bruder Michael und ich die Zuständigkeiten in der Kunst aufgeteilt: er fokussiert sich als Architekt auf Gebäude, ihre Konstruktion und insbesondere die Erschließung und Sanierungspläne denkmalgeschützter Bauten, wie sie in der Bauforschung eine große Rolle spielen. Ich bin eher für das ‘Bespielen’ von Räumen zuständig und das Beschreiben ihres Innenlebens und Belebens: in Theater, Medien, bildender Kunst und der Literatur. Da ergänzen wir uns gut; Überschneidungen ergeben sich in unserem historischen Interesse.

Zeit, ihn einmal an dieser Stelle zu featuren.

 

In Co-Autorenschaft mit Klaus Freckmann erschien unlängst in der Zeitschrift für Architekturgeschichte, Insitu, ein ausführlicher Beitrag über das 1447 von Kardinal Nikolaus von Kues (1401–1464) gestiftete Armenhospital St. Nikolaus/ Cusanusstift in Bernkastel-Kues, zu dem Michael Leonhardt seit einigen Jahren umfangreiche Bauuntersuchungen durchführt.  Die Organisation und Gestaltung der Arbeit im mittelalterlichen Hospiz, aber auch die Funktion des Cusanusstifts als Wirtschaftsunternehmen sind Gegenstand (kultur-)historischer und kirchengeschichtlicher Forschung.

showcover.phpKlaus Freckmann & Michael Leonhardt: “Das Cusanusstift in Bernkastel-Kues und seine Einstützenkiche – eine mitteleuropäische Verortung”, in: INSITU. Zeitschrift für Architekturgeschichte. 10. Jahrgang 2018, Heft 2, S. 211-226.

News · Work-Life Balance

Festtagsgrüße / Season’s Greetings

(for English, scroll down, please)

Liebe Kollegen und Freunde,  

wenn ein neues Jahr beginnt, wissen wir: es hat 365 Tage. Das ist schon alles, was wir wissen, gewiss ist nur die Zahl. 

Die Wucht, den Zauber, die Strapazen, die Magie, die ihm eignen, können wir nur erfahren: an jedem Tag, zu jeder Stunde, in jedem Nu. 

2018  war erneut ein buntes, hartes, ein bereicherndes Jahr. Krankheit und Sorge waren tägliche Gäste. Am Ende hat es meiner Familie viel abverlangt. Der Verlust eines Elternteils tut weh und setzt Vieles in Relation.

Ich danke Ihnen/ Euch für die Unterstützung, Zusammenarbeit, den Halt in den vergangenen Monaten;  für gemeinsame Gespräche, Taten, Tanzen, Schabernack – Dinge, die die Sekunden noch wertvoller machten.

Ich wünsche geruhsame Feiertage und für das neue Jahr nicht nur Numerisches, sondern zuvorderst Liebe, Frieden, Glück und Gesundheit,

Nic (Leonhardt)

Nic Leonhardt Weihnachtsgruesse 2018

Dear colleagues and friends,  

when a new year begins, we know it has 365 days. That’s all we know, only the number is certain. Yet we need to experience its quality, its force, magic, exertion – every day, every hour, every moment.

2018 was another colorful and enriching year. And it was a tough one. Illness and sorrow were daily guests. In the end, it demanded a lot from my family. The loss of a parent hurts and puts many things into relation.

I would like to thank you for your support, help, and cooperation over the past months; for deep conversations and small talks, mutual learning and exchange, magic moments, and humoresque scenes – things that made every second even more precious.

I wish you peaceful holidays. May the New Year bring you not only 365 days, but first of all love, peace, happiness and health.

Nic (Leonhardt)

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Buchbesprechung · Wissenschaftsalltag · Work-Life Balance

Denken. Zwickelfrei. – Über C. Ankowitschs Buch “Warum Einstein niemals Socken trug”

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So richtig sicher weiß ich gar nicht, warum mir dieses Buch von Christian Ankowitsch in die Hände fiel und ich es mitnahm. Warum Einstein niemals Socken trug. – Solcherlei Titel gibt es ja viele: Warum Männer nicht einparken können und Frauen irgendwas… – oder so ähnlich. Diesen „Warum…“-Titeln für Sachthemen, die aber dann so vereinfacht und stereotyp dargestellt werden, dass ihre Erläuterungen auch nicht mehr taugen, begegne ich immer mit Skepsis. Aber: „Einstein“, „niemals Socken“ – diese Titelworte fand ich sympathisch. Ich bin zwar nicht annähernd Einstein, aber ich trage auch nicht gerne und nur selten Socken; nur, wenn es nicht anders geht. Ich trage übrigens auch keine Kragen, Sakkos, Anzughosen, enge Halstücher. Sie schnüren mich ein und behindern mich so am Sein. Ich war also neugierig, warum Einstein niemals Socken trug und mochte diese textile Verschwisterung jenseits unseres IQ. Und dann gefiel mir aber auch der Untertitel des Buches, Wie scheinbar Nebensächliches unser Denken beeinflusst, denn in einer Gesellschaft wie der unsrigen übertünchen oft Leistungslisten, Leistungsschau und ostentative heiße Luft die leisen Töne und Marginalitäten. Zu Unrecht, wie ich finde.

Das Buch kam also mit, begleitete mich zur Abendlektüre auf meine jüngste Konferenzreise und kitzelte meine Neugierde, Kollegen zu befragen, ob und welche Nebensächlichkeiten eigentlich  IHR Denken beeinflussen. Nicht alle hatten ein Bewusstsein dafür, aber manche teilten, teils scheu, teils aufgeregt, ihre kleinen Geheimnisse: Im Stehen schreiben, der eine spezielle Tee beim Konzipieren einer Idee, mit Musik denken, analysieren beim Backen, ein solider Stuhl zum Korrigieren, Tür auf, Tür zu, je nach Aufgabe. Und so weiter. Schmecken, bewegen, eine Körperhaltung – und dann das Denken…

 

978-3-87134-793-1Körper und Geist als getrennte Entitäten zu betrachten, hat bekanntlich der französische Philosoph René Descartes in den (späteren Aufklärungs-)Diskurs eingebracht („cogito ergo sum“). Diese Trennung hat sich über die Zeiten hartnäckig gehalten und wurde mit einigen Bewertungen versehen, zumeist zuungunsten von Körper und Emotion als dem Denken hinderliche, „duselige“ Stolpersteine. Jüngste Achtsamkeitstrainings und körpertherapeutische Herangehensweisen in Bereichen wie der Psychologie, der Pädagogik oder dem Coaching u.a. reden wieder mehr der engen Zusammenarbeit, ja eigentlichen Untrennbarkeit, von Körper und Geist das Wort. In seinem Buch zieht Christian Ankowitsch zahlreiche Beispiele heran, die wir als Leserinnen und Leser zu einem Großteil kennen, weil wir sie selbst (unbewusst) erleben: Vorahnungen, körperliche Blockaden als Signale, ein “je ne sais quoi”, das unser Denken und Handeln beeinflusst. Wichtige Marker. Anhand solcher Beispiele arbeitet der Autor im Zugriff auf Lesarten der Neuro- und Kognitionswissenschaften, Philosophie und Psychologie heraus, wie ungemein spielerisch und kreativ Körper und Geist Team-Arbeit betreiben. Ständig. Wie erklären wir uns die Welt? Wie erinnern wir uns? Werden kognitive Fähigkeiten vom Körper mitgeformt? etwa durch die Art, wie wir uns bewegen? durch die Körperhaltung, den Raum, in dem wir tätig sind? Ankowitsch geht diesen Fragen in fünf Teilen nach:

  • Grundsätzliches über Kopf und Körper: hier werden Antworten auf Fragen gesucht, warum wir „mit dem linken Knie denken“, warum wir alles gleichzeitig machen und das sehr in Ordnung ist, was Philosophen über Geist und Körper dachten, warum Karussell fahren sinnvoll sein kann.
  • Fühlen: welche Wirkkraft haben Gefühle im Denken, und warum ist warme Suppe Wohltat?
  • Wahrnehmen, Lernen und Verstehen: wie erlangen wir Orientierung in einer Welt ohne Orientierung? Wie können wir unsere Aufmerksamkeit lenken? Warum ist Erinnern ohne Körper nicht ‚denkbar‘, und warum sind Kinder aufmerksamer, wenn sie aus dem Fenster gucken?
  • Neue Ideen entwickeln, urteilen und handeln: empfiehlt das Schließen der Augen zur Förderung der Kreativität, erörtert den Zusammenhang von sauberen Händen und moralischen Urteilen, Holzstühlen und Entscheidungskraft, die Genialität des Verbunds von Sprach- und Weltbildern.
  • Deshalb trug Einstein niemals Socken: geht schließlich Einsteins Füßen nach und befragt das Zusammenspiel von Kleidung, Körper, Kopf –, das allerdings bis dahin in der Lektüre längst evident geworden ist.

Ankowitsch beschließt seine kenntnisreichen und ungleich amüsanteren Ausführungen noch mit „12+1 Hinweisen“, die er zum Beflügeln des Denkens im Alltag empfiehlt. Unser Gehirn ist neuroplastisch, da ist nichts in Stein gemeißelt, Veränderungen, neue Verschaltungen sind, Gesundheit vorausgesetzt, lebenslang möglich. Das ist schon alles ziemlich clever eingerichtet. Wir können die Kognition tunen, wir können zum Beispiel lächeln, auch wenn uns nicht danach ist, weil es die Stimmung hebt; das Licht dimmen, wenn eine gute Idee verlangt wird; uns aufrecht hinstellen, wenn ein Vortrag ansteht; einem Gegenüber die Hand auf den Rücken auflegen, um sie/ ihn zu beruhigen; Sport treiben, um auch geistig fit zu bleiben, etc. Es sind dies kleine Tricks, die gar nicht so unbekannt sind, aber es ist gut, sie sich noch einmal vor Augen zu führen. Apropos „vor Augen führen“ – auch so ein Dreh, der in Ankowitschs Buch offenkund wird: Wir stellen uns einen Gedanken oder Sachverhalt wie ein Objekt vor unser Gesichtsfeld, damit wir es besser anschauen und damit besser begreifen können. Körper und Geist im Team. Heitererhellende Holistik.

Was Einstein angeht, hatte seine Ablehnung der Socke übrigens einen erstaunlich banalen Grund. Aber es ging hier ja auch um die Nebensächlichkeit zur Beförderung des großen Denkens – das durch die Power der Nebensache auch schon wieder weniger groß ist, wenn ich es mir recht überlege.

Trug Descartes eigentlich gerne Socken? Mir sind keine Äußerungen seinerseits dazu bekannt. – Vielleicht haben sie ihn auch nie gezwickt. Es ist anzunehmen.

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Christian Ankowitsch: Warum Einstein niemals Socken trug. Wie scheinbar Nebensächliches unser Denken beeinflusst. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 2017 [2016].