Conferences / Symposia · Philanthropy · Theatre History · Transnational History

“Philanthropy, Development and the Arts” – Final Conference Programme (23-25 July)

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The final programme of the conference Philanthropy, Development and the Arts: Histories and Theories is now online and can be accessed here.

Monday, 23 July, 5pm – Wednesday, 25 July, 5:30pm

Carl Friedrich von Siemens Stiftung – Südliches Schlossrondell 23 –80638 Munich

Keynote speakers:

Monday, 23 July, 6pm: Volker Berghahn (Columbia University, New York City): American Foundations, the Arts, and high Politics (1898–2018)

Tuesday, 24 July, 11am: Inderjeet Parmar (City University of London): Foundations of the US-led Liberal International Order: From the ‚Rise to Globalism‘ to ‚America First‘

Registration is mandatory. Please register via e-mail to Gwendolin Lehnerer indicating your name and affiliation: gwendolinlehnerer@yahoo.com

I would like to thank Gwendolin Lehnerer, Aydin Alinejad and Rebecca Sturm for their support in the organization of the conference!

 

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Buchbesprechung · Wissenschaftsalltag · Work-Life Balance

Denken. Zwickelfrei. – Über C. Ankowitschs Buch “Warum Einstein niemals Socken trug”

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So richtig sicher weiß ich gar nicht, warum mir dieses Buch von Christian Ankowitsch in die Hände fiel und ich es mitnahm. Warum Einstein niemals Socken trug. – Solcherlei Titel gibt es ja viele: Warum Männer nicht einparken können und Frauen irgendwas… – oder so ähnlich. Diesen „Warum…“-Titeln für Sachthemen, die aber dann so vereinfacht und stereotyp dargestellt werden, dass ihre Erläuterungen auch nicht mehr taugen, begegne ich immer mit Skepsis. Aber: „Einstein“, „niemals Socken“ – diese Titelworte fand ich sympathisch. Ich bin zwar nicht annähernd Einstein, aber ich trage auch nicht gerne und nur selten Socken; nur, wenn es nicht anders geht. Ich trage übrigens auch keine Kragen, Sakkos, Anzughosen, enge Halstücher. Sie schnüren mich ein und behindern mich so am Sein. Ich war also neugierig, warum Einstein niemals Socken trug und mochte diese textile Verschwisterung jenseits unseres IQ. Und dann gefiel mir aber auch der Untertitel des Buches, Wie scheinbar Nebensächliches unser Denken beeinflusst, denn in einer Gesellschaft wie der unsrigen übertünchen oft Leistungslisten, Leistungsschau und ostentative heiße Luft die leisen Töne und Marginalitäten. Zu Unrecht, wie ich finde.

Das Buch kam also mit, begleitete mich zur Abendlektüre auf meine jüngste Konferenzreise und kitzelte meine Neugierde, Kollegen zu befragen, ob und welche Nebensächlichkeiten eigentlich  IHR Denken beeinflussen. Nicht alle hatten ein Bewusstsein dafür, aber manche teilten, teils scheu, teils aufgeregt, ihre kleinen Geheimnisse: Im Stehen schreiben, der eine spezielle Tee beim Konzipieren einer Idee, mit Musik denken, analysieren beim Backen, ein solider Stuhl zum Korrigieren, Tür auf, Tür zu, je nach Aufgabe. Und so weiter. Schmecken, bewegen, eine Körperhaltung – und dann das Denken…

 

978-3-87134-793-1Körper und Geist als getrennte Entitäten zu betrachten, hat bekanntlich der französische Philosoph René Descartes in den (späteren Aufklärungs-)Diskurs eingebracht („cogito ergo sum“). Diese Trennung hat sich über die Zeiten hartnäckig gehalten und wurde mit einigen Bewertungen versehen, zumeist zuungunsten von Körper und Emotion als dem Denken hinderliche, „duselige“ Stolpersteine. Jüngste Achtsamkeitstrainings und körpertherapeutische Herangehensweisen in Bereichen wie der Psychologie, der Pädagogik oder dem Coaching u.a. reden wieder mehr der engen Zusammenarbeit, ja eigentlichen Untrennbarkeit, von Körper und Geist das Wort. In seinem Buch zieht Christian Ankowitsch zahlreiche Beispiele heran, die wir als Leserinnen und Leser zu einem Großteil kennen, weil wir sie selbst (unbewusst) erleben: Vorahnungen, körperliche Blockaden als Signale, ein “je ne sais quoi”, das unser Denken und Handeln beeinflusst. Wichtige Marker. Anhand solcher Beispiele arbeitet der Autor im Zugriff auf Lesarten der Neuro- und Kognitionswissenschaften, Philosophie und Psychologie heraus, wie ungemein spielerisch und kreativ Körper und Geist Team-Arbeit betreiben. Ständig. Wie erklären wir uns die Welt? Wie erinnern wir uns? Werden kognitive Fähigkeiten vom Körper mitgeformt? etwa durch die Art, wie wir uns bewegen? durch die Körperhaltung, den Raum, in dem wir tätig sind? Ankowitsch geht diesen Fragen in fünf Teilen nach:

  • Grundsätzliches über Kopf und Körper: hier werden Antworten auf Fragen gesucht, warum wir „mit dem linken Knie denken“, warum wir alles gleichzeitig machen und das sehr in Ordnung ist, was Philosophen über Geist und Körper dachten, warum Karussell fahren sinnvoll sein kann.
  • Fühlen: welche Wirkkraft haben Gefühle im Denken, und warum ist warme Suppe Wohltat?
  • Wahrnehmen, Lernen und Verstehen: wie erlangen wir Orientierung in einer Welt ohne Orientierung? Wie können wir unsere Aufmerksamkeit lenken? Warum ist Erinnern ohne Körper nicht ‚denkbar‘, und warum sind Kinder aufmerksamer, wenn sie aus dem Fenster gucken?
  • Neue Ideen entwickeln, urteilen und handeln: empfiehlt das Schließen der Augen zur Förderung der Kreativität, erörtert den Zusammenhang von sauberen Händen und moralischen Urteilen, Holzstühlen und Entscheidungskraft, die Genialität des Verbunds von Sprach- und Weltbildern.
  • Deshalb trug Einstein niemals Socken: geht schließlich Einsteins Füßen nach und befragt das Zusammenspiel von Kleidung, Körper, Kopf –, das allerdings bis dahin in der Lektüre längst evident geworden ist.

Ankowitsch beschließt seine kenntnisreichen und ungleich amüsanteren Ausführungen noch mit „12+1 Hinweisen“, die er zum Beflügeln des Denkens im Alltag empfiehlt. Unser Gehirn ist neuroplastisch, da ist nichts in Stein gemeißelt, Veränderungen, neue Verschaltungen sind, Gesundheit vorausgesetzt, lebenslang möglich. Das ist schon alles ziemlich clever eingerichtet. Wir können die Kognition tunen, wir können zum Beispiel lächeln, auch wenn uns nicht danach ist, weil es die Stimmung hebt; das Licht dimmen, wenn eine gute Idee verlangt wird; uns aufrecht hinstellen, wenn ein Vortrag ansteht; einem Gegenüber die Hand auf den Rücken auflegen, um sie/ ihn zu beruhigen; Sport treiben, um auch geistig fit zu bleiben, etc. Es sind dies kleine Tricks, die gar nicht so unbekannt sind, aber es ist gut, sie sich noch einmal vor Augen zu führen. Apropos „vor Augen führen“ – auch so ein Dreh, der in Ankowitschs Buch offenkund wird: Wir stellen uns einen Gedanken oder Sachverhalt wie ein Objekt vor unser Gesichtsfeld, damit wir es besser anschauen und damit besser begreifen können. Körper und Geist im Team. Heitererhellende Holistik.

Was Einstein angeht, hatte seine Ablehnung der Socke übrigens einen erstaunlich banalen Grund. Aber es ging hier ja auch um die Nebensächlichkeit zur Beförderung des großen Denkens – das durch die Power der Nebensache auch schon wieder weniger groß ist, wenn ich es mir recht überlege.

Trug Descartes eigentlich gerne Socken? Mir sind keine Äußerungen seinerseits dazu bekannt. – Vielleicht haben sie ihn auch nie gezwickt. Es ist anzunehmen.

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Christian Ankowitsch: Warum Einstein niemals Socken trug. Wie scheinbar Nebensächliches unser Denken beeinflusst. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 2017 [2016].

Global Theatre History · News · Theater international · Theatergeschichte · Transnational History

Eine Theaterlandschaft für Belgrad: Marija Đokić verteidigt erfolgreich ihre Dissertation

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Grund zum Feiern ihrer erfolgreichen Dissertation. Marija Đokić und Nic Leonhardt (GTH Centre) Foto: C. Balme)

Marija Đokić, Doktorandin der Graduiertenschule Ost- und Südosteuropastudien der LMU und assoziiertes Mitglied des Centre for Global Theatre History, hat gestern erfolgreich ihre Dissertation verteidigt.

Ihre Schrift Eine Theaterlandschaft für Belgrad (1841–1914), ist ein essentieller Beitrag zur Theatergeschichte Serbiens und zur globalen oder transnationalen Theatergeschichte, die verstärkt Kulturtransfers in den Blick rückt. Über die vergangenen Jahre hat Marija, die in Belgrad und in München Geschichte studierte, einen beeindruckenden Quellenkorpus in unterschiedlichen Archiven Serbiens zusammengetragen, um anhand von Theater, das seit der Ernennung Belgrads zur neuen Hauptstadt Serbiens 1841 eine eminent wichtige Rolle spielte, das Wechselspiel zwischen dem Schaffen einer nationalen Identität und Prozessen der „Europäisierung“ herauszuarbeiten.

(siehe auch den Eintrag auf unserem Blog https://gth.hypotheses.org/476 )

Ich freue mich riesig für Marija und freue mich jetzt schon auf das Buch 🙂

 

 

 

Conferences / Symposia · European Theatre · Global Theatre History · Theater international · Theatergeschichte · Theatre History · Transatlantic Cultural Exchange · Transnational History · Vortrag, Public Talk

Conference Talk: ”The show business has gone all to pieces”. 11 July, #IFTR 2018

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Franz Marc, Tierschicksale / Fate of the Animals, 1913. (“Die Bäume zeigten ihre Ringe. Die Tiere ihre Adern”/ “The trees showed their rings. The animals their veins.”)

At this year’s world congress of the International Federation for Theatre Research (IFTR) in Belgrade, Serbia (9-13 July, 2018),  I will give a talk about ““The show business has gone all to pieces” – Theatrescapes, Mobility and Stasis during World War I. 

In The Birth of the Modern World. A global history 1780-1914 (2008) the British historian Christopher A. Bayly used the formulation of a “paradox of globalization” to describe what initially seemed as two contradictory processes of globalization in the nineteenth and early twentieth century: On the one hand, the period from the mid-nineteenth century up to the First World War saw the formation of political, economic and ideological views of the sovereign nation state. On the other hand, there was an increasing and dynamic global interconnectedness and cultural mobility. Theatre plays an important role in this ‘two-faced’ dynamics in that it both serves as a ‘carrier‘ of nationalist and representational ideas, and is subject to an increasing transregional/ transnational mobility at the same time.

Between the late nineteenth and the early twentieth century theatrical productions, performers, and plays circulate (often globally) on a larger scale than ever before, enabled by improved infrastructures of communication and transport.

By following the professional paths of selected theatrical agents, impresarios and performers, in my paper, I will focus on the impact the outbreak of the First World War had on the mobility of theatre. Based on primary material, and by applying perspectives of global theatre history, I shall demonstrate to what extent the War cut the infrastructural routes and trails of migration, and forced a massive ‘setback‘ and re-direction of theatrical practices and individual careers.

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Fotografie · Literatur, Lyrik · Mensch & Tier · Nuggets

Leu. Bukolisch?

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Löwe im Dickicht. Giardini, Venezia (photo: Nic Leonhardt)

“Was für ein herrlicher Wald!”, rief der Löwe und sah sich erfreut um. “An so einem schönen Ort war ich noch nie.” “Ich finde ihn eher unheimlich”, sagte die Vogelscheuche. “Überhaupt nicht”, sagte der Löwe. “Hier und nirgendwo sonst möchte ich leben. Fühl doch nur, wie weich das Laub unter den Füßen ist, und sieh, wie saftig und grün das Moos ist, das sich an diese alten Bäume schmiegt. Ein behaglicheres Zuhause kann sich ein wildes Tier gar nicht wünschen.” (Der Zauberer von Oz)

 

Wer (wie ich) den Löwen in seinem Namen trägt, ist empfänglich für Löwenbilder. In meinem aktuellen Wohnort München gibt es so viele Löwen im Bild/nis wie Gondeln in Venedig. Vor der Residenz hockt eine Löwenskulptur mit gülden leuchtender Nase: Die Münchner stoppen am Leu, wann immer sie ihn passieren, und rubbeln sein Riechorgan. Das bringt Glück. Und Geld. Sagen sie. München ist wohlhabend. Es hat hier ‘viel Löwe’. –

Noch mehr Löwen lungern in Venedig. Als ich in der vergangenen Woche die Biennale dort besuchte und die Giardini passierte, lugte dieser steinerne Löwe aus dem Dickicht hervor. Sein Gesichtsausdruck – konsterniert – lässt vermuten, dass ihm das Grün über die Jahre gewaltig über den Kopf gewachsen…. Mehr vom Guten ist zu viel. Ein Embarras de Richesse. Wohl gebrüllt? Bukolisch geseufzt, Löwe.

Conferences / Symposia · Digital Humanities · European Theatre · Global Theatre History · Theater international · Theatergeschichte · Theaterwissenschaft · Theatre Archives · Theatre History

IFTR World Congress 2018 in Belgrade

IFTR Belgrade 2018From 9 to 13 July, this year’s annual conference of the International Federation for Theatre Research (IFTR) will be taking place in Belgrade, Serbia. The conference theme is highly topical: Theatre and Migration. Theatre, Nation and Identity: Between Migration and Stasis. The programme can be downloaded here or from the conference website.

In Belgrade, I will be meeting with my working group “Digital Humanities and Theatre Research”. Besides, I will give a conference paper entitled “’The show business has gone all to pieces’ – Theatrescapes, Mobility and Stasis during World War I”.